Berlin im WandelBlogDokuguides

Berlin im Wandel? Oh ja!

In Berlin wird kräftig gebaut. Als Kind dachte ich noch, dass hier eine komplett neue Stadt errichtet wird, als wir mit der Stadtbahn über den gerade erst im Bau befindlichen Hauptbahnhof fuhren. Man hatte den Blick in die große Grube (es ging ewig weit runter) und wenn ich mich recht entsinne, blickte man über das noch fast leere Regierungsviertel (mit dem Bau des Bundeskanzleramtes sollte noch begonnen werden) rüber zum Potsdamer Platz, der ebenfalls im Begriff war, Berlins größte Baustelle zu werden. Und im Grunde hatte ich ja Recht: Hier entstand sehr wohl ein komplett neues Stadtzentrum.

Wenn ich jetzt die Route für den Berlin im Wandel – Guide plane, stehe ich vor einer kleinen Herausforderung. Denn der Name ist Programm: Berlin ist stets im Wandel! Am Alex soll noch viel geschehen und das wirkt sich teilweise erheblich auf meine Routenführung aus. Es ist wie am BER: Schon bevor das eigentliche Produkt fertig ist, fängt man an, sich über die nächsten Updates Gedanken zu machen. ^^ Vor allem im Klosterviertel (Punkt 3 unserer heutigen Liste) werde ich den Weg in den nächsten Jahren wohl ein paar mal anpassen müssen.

Verschaffen wir uns aber doch erst mal einen allgemeinen Überblick darüber, was sich rund um das alte Zentrum und den Alexanderplatz in den nächsten Jahren verändern wird:

  1. Der Turmbau zu Alex

    Seit nun beinahe 25 Jahren wird debattiert, wie die Stadtplanung für den Alexanderplatz ausschauen soll. Es gibt sogar einen „Hochhaus-Masterplan“, der so umstritten ist, dass auch die Investoren wegbleiben. Verglichen mit der City-West am Bahnhof Zoo (darf man das heute überhaupt noch City-West nennen?) geht am Alex bezüglich der Wolkenkratzer nur wenig voran. Auch deshalb, weil zwar „groß“-artige Ideen existieren, sie aber mit den Plänen des Denkmalschutzes kollidieren. Oder aber auch, weil manche Gebäude einfach doch nicht zu hoch sein sollten. Was bringt uns ein Klein-Manhattan, wenn das Berliner Wahrzeichen nicht mehr zu erkennen ist. (Der Fernsehturm stände dann inmitten von Türmen.)

    Und dann muss auch noch bitte an den Berliner Untergrund gedacht werden. Damit meine ich nicht die Bodendenkmalpflege. Die freut sich tierisch, wenn gebaut wird. Letzte Woche schrieb ich, was die Archäologen beispielsweise am Roten Rathaus herausgefunden haben. Das dürfte man den Verkehrsbetrieben verdanken, die dort gerade eine U-Bahn bauen und vorher die Wissenschaftler haben buddeln lassen. (Noch mal nachlesen? Gerne. Hier: „Um 1220 wurde die Rathausstraße gebaut“). Wenn es aber um den Bau von Gebäuden geht, die weit in die Höhe schießen sollen, ist die BVG weniger beeindruckt. Sie ist gebrandmarkt, seitdem bei dem Bau des Motel One am Platz festgestellt wurde, dass die Tunnel der U2 um sechs Zentimeter abgesackt sind. Seitdem ist man in Alarmbereitschaft. Jetzt möchte der amerikanische Investor Hines auf einer Fläche bauen, unter der die U-Bahnlinie 5 fährt. Würde das Gebäude mit seinen 150 Metern Höhe zu schwer werden, könnte der Tunnel einbrechen, erklärt die BVG. Außerdem könnte Wasser von der Baustelle eindringen und den Verkehr für eine lange Zeit lahmlegen, argumentiert sie weiter. Dass an dieser Stelle gebaut wird, ist unklar. Bevor die BVG überzeugt ist, wird sich jedenfalls nicht viel bewegen.

    Schneller entwickelt es um das Kaufhaus Alexa. Dort wächst bereits etwas an drei Baustellen gleichzeitig in die Höhe. In diesem Jahr soll das letzte Grundstück neben dem Kaufhaus zur Baustelle werden. Die Investoren haben Glück: Keine U-Bahn, kein Problem.

    Auch direkt am Platz entwickeln sich die Pläne weiter. So sollen direkt neben dem Park-In Wohn- und Bürotürme mit gleicher Höhe entstehen. Der Senat möchte in diesem Jahr noch einen Architektenwettbewerb ausrufen. (Davon gab es aber schon sehr viele am Alex.) Man darf also weiterhin gespannt sein.

  2. Das Haus der Statistik wird zum Haus am Alex

    Es steht traurig und grau vor sich hin: Das Haus der Statistik, um das in den letzten Jahren so viel gestritten wurde. Eigentlich wollten die Berliner hier einen Platz errichten, der ganz dem kulturellen Miteinander und der Kunst gewidmet sei. Gerade wenn sich der Alexanderplatz erneuert, hätte man an diesem Standort die Möglichkeit ergreifen können, die Bevölkerung zu durchmischen und auch benachteiligten Menschen einen zentralen und finanziell geförderten Wohnort zu bieten. So wollte es die „Initiative Haus der Statistik“. Doch die Stadt hat andere Pläne: Sie braucht mehr Platz für die Senatsverwaltung.

    So soll das Gebäude, dass in DDR-Zeiten von der Stasi genutzt wurde, nun für einen Kompromiss herhalten. Es soll ein Gebäudekomplex mit dem Namen „Haus am Alex“ für den Senat entstehen. Der wird dringend für die Bezirksverwaltung Mitte und für die Finanzverwaltung benötigt. Während die meisten Bauten neun Geschosse haben werden, soll an der Straßenecke 12-geschossig gebaut werden. Der angekündigte Kompromiss sind 20 Prozent der Fläche. Diese sollen für kulturelle und soziale Projekte genutzt werden.

    Doch bis mit den Arbeiten begonnen wird, vergeht noch einiges an Zeit. Erst 2020 soll es losgehen. 2024 ist Deadline für das „Haus der Sta…“ äh „Haus am Alex“.

  3. Das Klosterviertel

    Während sich der Alexanderplatz außerhalb der mittelalterlichen Stadtgrenze befindet, ist das Klosterviertel zwischen Alex und Nikolaiviertel ein historischer Ort, von dem durch die Zerstörungen des zweiten Weltkriegs nur wenig übrig geblieben ist. Die Reste der Stadtmauer in der Littestraße und die Ruine der Klosterkirche erinnern noch an vorkaiserliche Zeiten, doch unter dem Teer der breiten Schnellstraße, die den Alex mit dem Potsdamer Platz verbindet, lauert noch viel Geschichte, die es zu entdecken und zu erforschen lohnt. So spielen die Pläne der Stadtplaner, die breite Grunerstraße zu verengen, zu begrünen und sie direkt am Roten Rathaus entlangzuführen, um damit Platz für ein „neues“ Klosterviertel zu machen, direkt in die Hände der Stadtarchäologen. Die polieren bereits ihre Schaufeln, denn bevor überhaupt gebaut werden darf, wird das Gebiet über Jahre der Forschung freigegeben.

    Die Berliner haben noch also viel Zeit, sich über die Pläne zu streiten, die ein gemütliches kleinrastigeres Viertel vorsehen, in das die Ur-Geschichte integriert werden soll. Der „Große Jüdenhof“, der bei vorangegangenen Ausgrabungen bereits zum Teil erschlossen wurde, soll zum Beispiel durch ein Archäologisches Fenster begehbar gemacht werden. Und auf dem Gebiet des Klosters, das um 1540 als Eliteschule genutzt wurde, an der unter anderem Otto von Bismark und Karl-Friedrich Schinkel lernten, soll auch erneut eine Schule entstehen.

    Für mich bedeuten die Veränderungen im Klosterviertel, dass ich die Route des Guides stets anpassen muss. Aber wahrscheinlich wird das auch mit vielen neuen Informationen einhergehen, die sich aus den Ausgrabungen ergeben. Da bin ich mir sicher und darauf freue ich mich auch schon sehr.

  4. Das Rathausforum …

    … ist der aktuell verwendete Namen für das ehemalige Marienviertel. Es liegt zu Füßen des Fernsehturms und erstreckt sich bis zur Spree. Eine Freifläche, die noch lange so bleiben wird, wie sie heute ist. Bis 2032 darf hier nichts verändert werden. Das sieht der Bund so vor, der gerade mit dieser Vorlage Infrastrukturprojekte fördert. Was aus dem Platz werden soll, ist aber eh noch lange nicht klar. Ob ein „neues“ Marienviertel entstehen soll, wie nebenan im Klosterviertel? Auch eine Parkanlage wäre denkbar und selbst ein Stadthafen wurde als Idee eingereicht. Alles noch Träumereien und Utopien, die eh erst in mehr als einem Jahrzehnt ausgelebt werden dürfen.

    Die Schlossherren des Humboldtforums (die Baustelle befindet sich gleich auf der anderen Spreeseite) sind übrigens sehr unglücklich darüber. Ist das Schloss fertig, wird drumherum noch lange nicht alles „fertig“ sein.

Berlin ist im Wandel. Der Name meines Guides ist Programm. Und das wird auch noch für viele Jahre so bleiben. Wir wissen ja schon so wenig über unsere Vergangenheit: Wie sollen wir wissen, wie unsere Zukunft aussieht. ^^ Nur eins ist klar: Es wird sich noch viel verändern.

Wer sich dafür interessiert, warum Berlin heute so aussieht, wie es aussieht, sollte bereits bei der Urgeschichte der Stadt beginnen. Ich helfe dir gerne dabei. In zwei Wochen erscheint mein Doku-Guide über das alte Zentrum.

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