Kreative Texte

Die vielen Gründe, warum man sich an Ino ein Beispiel nehmen sollte

Natürlich gibt es mehr Gründe dafür, Ino in den Himmel zu loben, als man an zwei Händen abzählen kann. Ohne Zweifel ist er mit seinen zarten fünfzehn Jahren bereits ein kräftiges Individuum von Mann, dem hohe Ansprüche zugestanden werden müssen – und die ihm ja auch von den meisten zugestanden werden. Ino ist ein großes Vorbild für die Allgemeinheit, ein Wegbereiter seiner Generation. Darüber sind sich alle – und er sich selbst offensichtlich auch – einig (jedenfalls hat noch niemand gegenüber ihm das Gegenteil zu behaupten gewagt).

Dass es Ino mal zu etwas Großem schaffen wird, ist genauso unbestritten, zumal sein Vater ein einflussreicher Mann in der Zuckerrübenfabrik „Polysüß“ ist. Diese Institution versorgt die halbe Stadt mit Arbeitsplätzen und hat keinen geringen Einfluss auf die Politik des Bürgermeisters, einem lausigen kleinen Nichtsnutz unter der Fuchtel von Inos Altem, der in jedem Wahljahr bettelnd auf der Matte steht und Zugeständnisse um Zugeständnisse macht. Ino selbst hat keine Lust auf die Arbeit in der Fabrik. Doch wenn er sich die Macht seines Vaters vor Augen führt, dann zwickt sein Lid leicht unter dem pechschwarzen Topfschnitt, und er weiß, dass er von Geburt an dazu berufen ist, in dieser Welt hart anzupacken.

Während seiner bisherigen Schullaufbahn ist es ihm stets gelungen, seine sportliche Motivation und Strebsamkeit ebenso hart auf dem Schulhof unter Beweis zu stellen. Seine sehr körperlich ausgeprägte Kommunikation hat ihm schon früh eine sagenumwobene Aufmerksamkeit zukommen lassen, von der er bis zum heutigen Tag Früchte trägt. Die Menschen respektieren ihn wegen dieser ständigen Debattierfreudigkeit, durch die er seine eigene Meinung – auch sowas ist ihm nicht fremd – leicht durchzusetzen vermag. Und auch Tim Meier aus der Parallelklasse ist mit ihm nun konform gegangen, nachdem sich die beiden heute morgen hinter dem Schuppen des Hausmeisters zu einem offenen Gedankenaustausch verabredet hatten, aus dem Ino schließlich heldenhaft hervorgegangen war.

Es ist kein großes Geheimnis, dass sich Tim nach der hübschen Marie Simons umguckt, wenn sie im Gang an ihm vorbeizieht. Und das gefällt Ino ganz und gar nicht. Auch er schaut sich gerne nach der nach Vanilleshampoo duftenden Schönheit um. Der Unterschied zwischen Tims und Inos Gafferei ist, dass Marie den Blick vom blöden Meier erwidert. Da kann er selbst so kräftig gucken und spannen, wie er will. Bei Ino antwortet Marie nur mit bloßer Ignoranz. Und auch dann zwickt sein Augenlid – und seine Mundwinkel beben vor Adrenalin. Doch das Problem wusste er nun mit dem morgendlichen Memorandum of Understanding zu beheben, dem er seinem Mitschüler unterwarf.

Ino packt die Dinge halt an – er ist ein Mann der Tat. In einer Welt, in der so vieles in Schieflage geraten ist, sollte man Menschen wie Ino bewundern, die machen und tun anstatt nur zu glotzen und sich zu ärgern. Es gibt unendlich viele Gründe, warum man sich ein Beispiel an Ino nehmen sollte. Und deswegen hat er auch nicht das geringste Verständnis dafür, warum nun er wieder – wieder mal er – zum Rektor muss.

Ein Gedanke zu „Die vielen Gründe, warum man sich an Ino ein Beispiel nehmen sollte

  1. Auftrag des Tages war, einen Gesprächsfetzen zu nehmen und daraus eine Geschichte zu formen. Ich bediente mich an dem Buch „Die seltsamen Methoden des Dr. Irabu“ von Hideo Okuba, schlug eine Seite auf und las folgenden Satz:

    „Ihr alle solltet euch ein Beispiel an Ino nehmen.“Reference

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