Berlin im Wandel

Eine lange Recherche

Es hat wahrscheinlich jeder seine eigenen speziellen Erinnerungen an geliebte Orte – oder jene Plätze auf unserer Erde, die einen verzaubert haben. Ein solcher Ort ist für mich schon immer unsere Hauptstadt und meine Wahlheimat Berlin gewesen. Zwar fühle ich mich mit jeder Zelle meines Körpers als ein Berliner, doch weiß ich auch, dass ein waschechter *jebürtiger* Hauptdörfler mich dafür hämisch auslachen würde. Ich bin jawohl ganz klar Wessi. Und damit meine ich nicht den Westen der Stadt – nein – ich bin so ein richtiger Westfuzzi aus Bonn, der erst nach dem Mauerfall und dem Regierungsumzug seinen Weg in das dann schon (zumindest politisch) vereinte Berlin fand.

Die Stadt war damals eine riesige Baustelle. Das ist sie zwar auch heute noch, doch die Umstände waren in den Jahren meines Zuzugs gewaltiger. Der Potsdamer Platz in der Kluft zwischen West und Ost entstand gerade, der Hauptbahnhof war ein riesiges Loch, in das man bewundernd blicken konnte, wenn man mit der S-Bahn daran vorbeifuhr. Aus meinen Kinderaugen betrachtet wurde hier eine neue Megastadt aus dem Nichts errichtet.

Dass dies kompletter Humbug ist und ich auf eine 800-jährige Geschichte herabblickte (und während meiner Recherchen erkannte ich, dass diese Geschichte noch viel älter ist) musste ich erst noch lernen. Wenn ich also meinen heutigen Standpunkt als Berlin-Liebhaber und hier lebender Autor betrachte, der gerade dabei ist, ein größeres Buchprojekt über diese Stadt voranzubringen, dann begann meine Recherche genau in dieser Zeit: 22 Jahre bevor ich vor ein paar Monaten meine ersten aktuellen Notizen auf ein Blatt Papier kritzelte.

Studium einer Stadtkarte des Berlins aus dem 17. Jahrhundert

Die Idee ist gänzlich einfach: Ich möchte Berlin so darstellen, wie ich diese Stadt wahrnehme. Ein riesiges Konstrukt, dass sich seit jeher verändert. Wenn man dieser Stadt für ein paar Momente den Rücken kehrt, läuft man Gefahr, sie aus den Augen zu verlieren – so schnell entwickelt und verfremdet sie sich. Hört man oder liest man Stadtführer, wird entweder nur auf das Berlin von gestern (und das meist nicht besonders gut) oder auf das von heute eingegangen. Kein Wunder, dass die meisten Berliner die Geschichte ihrer eigenen Stadt nicht sonderlich gut kennen. Mehr wohl die Diskurse über die zukünftigen städtebaulichen Maßnahmen.

Letztere sind auch für mich furchtbar interessant. Wie wird wohl das Berlin von morgen aussehen? Und welche Auswirkungen haben Modernisierung und Gentrifizierung auf das bunte Treiben, wie wir es heute kennen? In unserer Hauptstadt leben die unterschiedlichsten Menschen mit den verschiedensten Lebensstilen Tür an Tür nebeneinander. War das schon immer so? Wird das auch weiter so sein?

Ich möchte diesen Fragen auf den Grund gehen. Dafür bewegen wir uns Schritt für Schritt durch Berlin. Und das auf meine Art: Multimedial. Als Radiomacher arbeite ich zum Beispiel gerne mit dem Hörbaren. Es gibt einen Vorteil, heute und nicht vor 800 Jahren in Berlin zu siedeln. Und der liegt ganz klar (und das im wahrsten Sinne des Wortes) auf der Hand: Das Smartphone, mit dem man auch unterwegs Audioproduktionen konsumieren kann.

Deshalb verbinde ich in meiner ersten Veröffentlichung die uns durch dieses Wunderwerk an Technik gegebene Mobilität mit der Erfindung des Audioguides und packe all mein erlerntes Handwerkszeug aus dem Journalismus, der Hörspielproduktion und des Autorenseins dazu.

Jetzt, wo die Recherchen für den ersten Teil meiner entstehenden Reihe „Berlin im Wandel“ fast abgeschlossen sind und die ersten Aufnahmetermine näherrücken, beginne ich in diesem Blog auch die Dokumentation zur Dokumentation. Ihr könnt also jeden Schritt von nun an auf diesen Seiten verfolgen.

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