Berlin im WandelBlog

Von der Auto- zur Fahrradstadt (in 12 Jahren)

Wusstest du, dass man von Berlin bis nach Kopenhagen mit dem Fahrrad fahren kann? Es gibt da einen Weg, der über 700 Kilometer durch Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Süd-Dänemark führt und schlussendlich zwei Orte miteinander verbindet, die unterschiedlicher nicht sein können: Die Musterradfahrstadt Kopenhagen und … na Berlin halt, in der der Autoverkehr bislang Vorrang hatte. Doch seit 2016 mehr als 90.000 Berliner einen Volksentscheid für ein Radverkehrsgesetz unterschrieben hatten, weht ein Wind der Veränderung durch die Verkehrspolitik unserer Hauptstadt.

Ein Mobilitätsgesetz für Radfahrer?

Das Radverkehrsgesetz, dass damals von der Initiative Volksentscheid Fahrrad vorgestellt wurde und so viele Unterschriften erhielt, sollte bereits 2017 zu einem Mobilitätsgesetz formuliert werden. Es wurden große Aktionen versprochen, sogar die Umwandlung von „Unter den Linden“ in eine autofreie Zone angekündigt. Und obwohl alles in Berlin etwas länger dauert, legte die rot-rot-grüne Regierung im August letzten Jahres wirklich einen Entwurf des Mobilitätsgesetzes vor. Dann aber flaute die bei der Regierungsbildung anhaltende Flut an Versprechungen wieder ab und leider wurde bis heute kein Gesetz verabschiedet. (Es soll aber nun bald soweit sein.) Bis 2030 soll aus der Auto- eine Fahrradstadt werden. Das verkündete zumindest die Bezirksstadträtin von Tempelhof-Schöneberg, Christiane Heiß, auf der Fahrradmesse VELO, die gerade in den Hangars des ehemaligen Flughafens abgehalten wird. Sieht also ganz danach aus, als will der Senat nun kräftig in die Pedale treten?!

Alles auf Grün!

Zwar bekommen Radfahrer keine grüne Welle und automatisch reagierende Ampelsysteme (zumindest habe ich davon noch nichts mitbekommen), aber ihre Radwege werden stadtweit aus grün gefärbten Asphalt bestehen. Durch die neue Farbe sollen sie besser zu erkennen und von den anderen Verkehrsteilnehmern eher wahrgenommen werden – und zwar als schützenswerter Raum. Bis Ende 2020 sollen dann größere Projekte realisiert sein: Zuerst ein geschützter (grüner) Radweg an der Hasenheide, der extrabreit und mit extrahohen Pollern von der Fahrbahn abgetrennt sein soll, und zwei weitere Projekte dieser Art auf der Karl-Marx-Straße und der Karl-Marx-Allee, bei denen ein paar Spuren der Autofahrer weichen müssen, die zur Zeit eh von parkenden Fahrzeugen missbraucht werden.

Der Entwurf des Mobilitätsgesetzes verspricht aber noch viel mehr davon: Im zukünftig fahrradfreundlichen Berlin soll es solch breit angelegte und durch Poller geschützte Fahrradwege an allen Hauptverkehrsstraßen geben, unter anderem auch die Kieze besser mit einem Wegenetz vernetzt und mit Abstellplätzen ausgestattet sein. Na dann: Man darf gespannt sein!

Bis es soweit ist, kann man aber dennoch die neue Fahrrad-Saison auch in Berlin genießen. Es lohnt es sich allemal, sich seinen eigenen Drahtesel oder ein Leihrad zu schnappen und die VELO zu besuchen oder Berlin entlang der Mauer zu umfahren. Auch ist es möglich, bei schöner Frühlingssonne zu den Sakura-Kirschbäumen aufzubrechen. Die blühen jetzt nämlich in den „Gärten der Welt“ in Marzahn, an der Bornholmer Brücke in Pankow und auf dem ehemaligen Grenzstreifen in Treptow-Köpenick. Die sind schön anzusehen und um einiges schneller auf zwei Rädern zu erreichen als beispielsweise Kopenhagen.

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